Die Idee zum Kunstzelt entstand 2014 in dem Kunst-Projekt „Spuren hinterlassen“ der Kirchengemeinde Bahrenfeld. Von April bis Juli 2014 wurde an drei Nachmittagen in der Woche eines der Notaufnahmezelte zum Kunst- und Begegnungsraum.
Im Kunstzelt steht anstelle von Stockbetten ein Regal mit Farben unterschiedlichster Art, Papieren und Pappen, großen Kartons und kleinen Schachteln, Ton, Wolle, Stoffe, Hölzer und manches mehr. All das hat eine große Anziehungskraft.

Charakteristisch für diese Fortführung des Projekts „Spuren hinterlassen“ ist: Hier hat einzig der Wandel Bestand. Das beginnt bereits bei der Lebenssituation der TeilnehmerInnen. Sie haben hier Notaufnahme gefunden, sie haben einen langen Weg aus verschiedenen Ländern
der Welt hinter sich und vor ihnen liegt eine ungewisse Zukunft. Viel Zeit haben sie jetzt und wenig Raum. Gern wird das Angebot angenommen, eine Welt der Farbe und Form zu betreten, der Gestaltung, des kreativen Dialogs mit unterschiedlichem Material. Beim Arbeiten still für sich oder in Interaktion mit anderen gewann eine andere Art von Wirklichkeit Gestalt:

Da malen Kinder selbstvergessen und konzentriert ihre Bilder auf Papier (oder, wenn sie niemand daran hindert, auf andere Kinder, Tische und Bänke…) Es kommen immer wieder Männer und fanden inmitten der Kinder zu sprechendem bildhaften Ausdruck. Da begann ein Vater mit einer Schar faszinierter Kinder eine ganze Tierwelt aus Ton zu erschaffen. Frauen, die eigentlich nach ihren Kindern schauen wollte, fanden sich selber bald im Tun begriffen.

Ein Nachmittag im offenen Atelier lädt bei niedriger Schwelle ein, sich willkommen zu fühlen, einen Stift in die Hand zu nehmen, Collagen zu gestalten, Pflaster mit Kreide zu zieren, oder, oder, oder. Es ist Raum da, Neues zu probieren oder Vertrautes weiter zu führen, zu improvisieren, „mal zu schauen, was passiert“.

Das „Kunstzelt“, das an zwei Tagen in der Woche ein offenes Atelier in der ZEA an der Schnackenburgsallee anbietet wird geleitet von Dagmar Servas, die bereits als Fotografin die Ereignisse und Ergebnisse des Projektes „Spuren hinterlassen“ dokumentiert hatte.
(Text: Barbara Schaefer)