Wittenbergen 2019

Bericht über den 15. Erholungsaufenthalt der Tschernobyl-Kinder

vom 07. Juli - 04. August 2019

                                                              

 

Es ist sicher nicht verwunderlich, dass Sie in diesem Bericht vieles lesen, was Ihnen aus den vergangenen Jahren bekannt vorkommt, und doch war gerade dieser Sommer in Wittenbergen irgendwie anders.
Kurz vor der Reise musste Galina Sharanda, die langjährige Leiterin der belarussischen Betreuer, aus gesundheitlichen Gründen ihre Teilnahme absagen. Die zunächst gehegte Hoffnung, mit etwas Verspätung nachreisen zu können, erfüllte sich nicht. Wittenbergen ohne die erfahrene, unerschrockene Galina. "Wie soll das gehen?", fragte man sich in Hamburg, Minsk und Bragin.
"Nuja, es wird schon gehen", war Galina überzeugt und bemühte sich, trotz ihrer Erkrankung das belarussische Team wenigstens telefonisch zu unterstützen. Das waren Svetlana Pekhota aus Minsk und Svetlana Shkurko aus Bragin, die wir beide seit vielen Jahren kennen, und neu dabei die Ärztin Jadwiga Miksha und der Lehrer German Kaspirovitch aus Minsk, der als einziger Deutsch sprach und deshalb enorm viel Übersetzungsarbeit zu leisten hatte.
Der tropische Sommer 2019 machte gerade eine Pause, als die Gruppe in Hamburg eintraf. Aufgrund verschärfter Einreisebestimmungen durfte der Bus in diesem Jahr nicht vor Mitternacht die Grenze nach Polen passieren, und so konnten wir am Sonntag erst gegen Abend dreißig sehr müde Kinder und ihre vier Betreuer begrüßen.
Einen Tag lang konnten die Kinder in aller Ruhe das Schullandheim mit dem herrlichen Außengelände erkunden, doch schon am Dienstag fanden erste Untersuchungen beim Zahnarzt statt. Wir sind sehr dankbar, dass die Zahnarztpraxen Bruder, Hagelstein, Lippmann, Piehlke und Schlemmer auch in diesem Jahr die Untersuchungen, Zahnreinigungen und zum Teil sehr aufwendigen Behandlungen kostenlos ermöglichten. Neu dabei die Praxis Varchmin, die uns aus einem durch die Sommerferien bedingten Engpass bei den Untersuchungen heraushalf. Der Unterschied zwischen der zahnärztlichen Versorgung in der Hauptstadt Minsk und dem ländlichen Bragin war deutlich zu erkennen. So war einer der Jungen noch nie zuvor bei einem Zahnarzt und hatte es doch so nötig. Nur wenige Kinder hüpften ohne einen Befund vom Behandlungsstuhl; etliche Kleinigkeiten wurden repariert, und bei zwei Kindern waren jeweils vier längere Behandlungstermine erforderlich, um erhebliche Schäden an den bleibenden Zähnen zu beheben. Nicht alle sind Helden (wer könnte das beim Zahnarzt schon von sich behaupten?), aber tapfer und dankbar nahmen unsere kleinen Gäste das großzügige Geschenk unserer Zahnärzte an.
Völlige Schmerzfreiheit durfte bei dem nächsten Programmpunkt erwartet werden. Jedes Kind sollte ein Paar Schuhe bekommen, wofür wir uns bei Deichmann angekündigt hatten. Der Schuhkauf steht uns ja immer etwas bevor. Wer jemals mit Kindern Schuhe gekauft hat, weiß was ich meine. Der glückliche Umstand, dass fast alle Kinder die zur Zeit so angesagten Sneaker haben wollten, bescherte uns ein entspanntes Einkaufserlebnis. An der Kasse sortierten wir mit Hilfe der Verkäuferin die Schuhe unserer Wahl so lange hin und her, bis wir optimal von der Rabattaktion "Bei drei reduzierten Paaren gibt es das günstigste umsonst" profitieren konnten. Optimal war auch die Anlage des Ersparten: für jeden zwei Kugeln Eis. Und dann hatte auch noch McDonald's zum Mittagessen mit einem leckeren Big Mac, Pommes und einem Erfrischungsgetränk eingeladen. Prima Tag!
Da der Sommer sich in diesen Tagen noch etwas launisch zeigte, war es gut, dass in der Kleiderkammer, die wir mit gut erhaltener gebrauchter Kleidung in einem Pavillon des Schullandheimes eingerichtet hatten, für alle Kinder Jacken und lange Hosen gefunden wurden. Unsere kleinen Gäste hatten nicht viel mehr als eine kleine Reisetasche mit leichter Kleidung dabei gehabt. Zwei gut gefüllte Bananenkartons mit kleinen Geschenken und sehr viel Kleidung nahm jedes Kind am Ende mit nach Hause. Eine wertvolle Hilfe für die Familien, die manchmal sogar kleine Kredite aufnehmen müssen, um z.B. eine neue Schuluniform und andere notwendige Anschaffungen zum Schuljahresbeginn zu finanzieren.
Um der Einladung zu einer Weltreise ganz besonderer Art folgen zu können, musste zunächst eine geeignete Reiseroute durch die Weltstadt Hamburg gefunden werden. Gar nicht so einfach durch den Ausfall der S1 zwischen Othmarschen und Altona und den Schlagermove mit Straßensperrungen. Während der interessanten Busfahrt entlang der Elbe mussten wir viele Fragen zum Leben und Wohnen in Hamburg beantworten.
Kolja hat schon recht klare Vorstellungen, wo er denn später einmal wohnen möchte und fragte immer wieder, wie viel denn dieses oder jenes Haus wohl kosten würde. Ungläubiges Staunen und Kopfschütteln, viel zu teuer! In der Hafencity schöpfte er kurz neue Hoffnung; sind ja schließlich Hochhäuser und da sollte es doch wohl günstiger sein? Nun, es muss ja nicht eine 1a-Lage sein und nicht unbedingt Hamburg, denn die Welt ist groß, wovon sich die Kinder im fantastischen Miniaturwunderland überzeugen konnten. Herr Zimmermann von der Tauchsportgruppe der Lufthansa hatte eine Einladung vermittelt und ließ es sich nicht nehmen, uns mit interessanten Informationen zu versorgen, auf kleine Geheimnisse hinzuweisen und wichtige Knöpfe für besondere Aktionen zu zeigen. Von magischer Anziehungskraft war der Knopf bei der Schokoladenfabrik, die jedem ein kleines Täfelchen feinster Schweizer Schokolade spendierte. Zauberwerk!
Zur Plattform der Elbphilharmonie war es zum Glück nicht weit, denn es hatte leichter Regen eingesetzt. Während des Rundganges auf der Plattform verdunkelte sich der Himmel immer weiter, schien die Erde berühren zu wollen. Die Türme der Hamburger Hauptkirchen verschwanden völlig vor unseren Blicken. Einige Blitze zuckten in der Ferne und sturzbachartiger Regen rauschte herunter. Das Wetter bot ein spektakuläres Schauspiel, beruhigte sich aber ebenso plötzlich wie es gekommen war, und so konnten wir ganz entspannt an der Hafenkante entlang zwischen bunt kostümierten Schlagermoveteilnehmern zu den Landungsbrücken gehen, denn bei der Rückfahrt mit dem Schiff wollten wir unseren Gästen noch einen besonderen Eindruck von Hafen und Elbe vermitteln.

                                   

 
Seit vielen Jahren laden die treuen Freunde von der Tauchsportgruppe der Lufthansa die Kinder zum Badespaß in den VAF ein. Zu ihrem großen Kummer sollten etliche Kinder aufgrund verschiedener Wehwehchen vorsorglich vom nassen Vergnügen ausgeschlossen werden. Wir konnten natürlich nicht für alle das Badeverbot aufheben, aber für einige Nixen und Wassermänner schon. So trockneten auch Koljas Tränen, nachdem alle Schürfwunden, die er sich beim unermüdlichen Radfahrtraining im Schullandheim zugezogen hatte, mit speziellen Pflastern abgeklebt waren und er doch noch an den wilden Wasserspielen teilnehmen durfte. Aufmerksam lauschten die Kinder den Instruktionen vor den Tauchgängen und folgten diszipliniert den Anweisungen. Beim Schauspringen vom Einer oder gar Dreier legten dann weder die Kinder noch ihre großen Freunde Wert auf eine gute Sprungtechnik, vielmehr waren alle bemüht, möglichst große Fontänen zu produzieren, die dann natürlich auch gebührend beklatscht wurden.

 

 
Dass es manchmal sehr wohl auf die richtige Technik ankommt, lernten die Kinder beim fröhlichen Jongliertraining mit dem Mitmach-Zirkus Abrax-Kadabrax, den wir für einen Nachmittag in Wittenbergen engagiert hatten. Bis endlich die Reifen lässig um Arme und Hüften kreisten, Stäbe, Teller und Tücher gebändigt waren und die Bälle wie gewünscht rotierten, dauerte es eine ganze Weile. Der angereiste Seniorenkreis der Luthergemeinde hatte deshalb jedoch keine Langeweile, sondern genoss das muntere Treiben bei Kaffee und Kuchen und belohnte schließlich die Vorführung der frischgebackenen Artisten mit großem Applaus.
German, der neue Betreuer aus Minsk, hatte im Heidepark Soltau Gelegenheit zu erkennen, wozu die unglaublich langen Wartezeiten gut sind. Er musste nämlich als Begleiter der etwas älteren Jungs immer wieder Beweise seines Mutes ablegen und war dankbar, wenn bei 90 Minuten Schlangestehen der Magen zwischenzeitlich mal wieder seinen richtigen Platz einnehmen konnte. Immerhin hat er sich an diesem Tag die Anerkennung der Jungs erwerben können.
An dem Nachmittag mit den Arbor Artists, die ihre Ausrüstung hier einmal nicht zur Baumpflege, sondern zum Vergnügen der Kinder einsetzten, brauchten alle Mut. Wer sich aber überwinden konnte bis in die mächtigen Baumwipfel zu klettern, durfte sich eine kleine Weile wie ein Eichhörnchen fühlen.
Mit etwa drei Metern Höhe deutlich kleiner war der Apfelbaum, der beim Gottesdienst im Steenkamp zum Einsatz kam. "Morokeni, guten Tag liebe Freunde", sang der Gospelchor „Die Steenkamper“ zur Begrüßung. Die Kinder führten die Geschichte vom Zöllner Zachäus auf, der mit Rücksicht auf die zerbrechlichen Äste jedoch nicht in den Baum kletterte, sondern von Blättern und Äpfeln versteckt, von einer modernen Aluleiter herab, einen Blick auf Jesus zu erhaschen suchte. Das von den Kindern gemalte Bühnenbild wird als Zeichen der Verbundenheit in der Schule in Bragin aufgehängt, versprach Svetlana. Sie wies in ihrer Ansprache eindrucksvoll auf die seit einigen Jahren zu beobachtende zunehmende Verschlechterung der Gesundheit der Kinder hin und dankte im Namen der Familien für die Erholungszeit in Hamburg. Das war auch Inhalt vieler Gespräche, die anschließend bei allerlei Leckereien und Getränken draußen auf der Vogelweide geführt wurden.
"Moin, Moin", begrüßte uns Kolja mit schelmischem Grinsen, wenn wir zum Schullandheim kamen. Er wollte jetzt richtig Deutsch lernen! Seine Schrammen waren inzwischen verheilt und das Radfahren klappte jetzt ganz prima. Der Weg zwischen Küche und Speisesaal war sein Revier, und wenn an diesem Versorgungsweg der weiße VW-Bus hielt und zusätzliche Obstspenden ausspuckte, dann half er eifrig mit, Kisten mit Bananen, Weintrauben, Aprikosen, Nektarinen, Pflaumen, Äpfeln, Melonen und sogar Kirschen hineinzutragen. Das Essen schmeckte unseren Gästen recht gut, worüber wir sehr froh waren. Im Schullandheim wird seit diesem Jahr nämlich nicht mehr selbst gekocht. Frau Burmester hat es aber verstanden, dem Lieferanten einige Änderungswünsche für die Gäste aus Belarus abzuringen. So war entgegen unseren Befürchtungen diese Neuerung nicht unbedingt eine Verschlechterung. Auch unsere Sorgen hinsichtlich der neuen Betreuersituation erwiesen sich als unbegründet. Die beiden Svetlanas leiteten das Viererteam angenehm unaufgeregt, Jadwiga und German fügten sich problemlos ein, und wir konnten ganz entspannt miteinander die vielfältigen Aufgaben rund um den Erholungsaufenthalt meistern. An zwei Sonnabenden bekamen unsere erwachsenen Gäste Gelegenheit zu Stadtbummel und Einkauf, indem ein großes Team ehrenamtlicher Helfer mit den Kindern bastelte, badete, spielte und grillte. "Ohne unsere Erzieher ist cool! Das können wir gern öfter machen", meinten die Kinder grinsend. Doch auch die Betreuer haben sich über die freien Tage sehr gefreut.
Beim XXL-Kickerspiel wurde trotz großer Hitze verbissen gekämpft. Komischerweise standen immer die Kleinsten im Tor, und so konnten viele Tore bejubelt werden. Spiel und Spaß im Pool sorgten anschließend für herrliche Erfrischung. Bis in die Abendstunden war jetzt häufig das Juchzen der plantschenden Kinder zu hören, denn der Sommer war längst zurückgekehrt. Ideal auch für einen abendlichen Ausflug zu Planten un Blomen, wo unsere Gäste die eindrucksvollen Wasserlichtspiele und die angenehme Atmosphäre sehr genossen haben.
Sehr entspannt erlebten wir auch den Gottesdienst im Luthergarten, der ganz im Sinne des Luther zugewiesenen Wortes "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", gefeiert wurde. Der Apfelbaum aus dem Zachäusspiel war kaum wiederzuerkennen, denn er hatte einen sogenannten Pflanzschnitt erhalten und einiges von seiner Pracht eingebüßt. Den kleinen Äpfelchen aus roter Pappe streckte der Baum aber noch genügend Zweige entgegen und so schaukelte der leichte Wind die darauf geschriebenen Wünsche der Kinder sanft hin und her: "Frieden, Freundschaft, Liebe, Gesundheit, eine gesunde Umwelt und Glück für alle Menschen dieser Welt." Über diese ebenso großen wie bescheidenen Wünsche der Kinder sowie Germans mutige Rede zur wirtschaftlichen und politischen Lage in Weißrussland gab es anschließend bei Grillwurst und Salaten noch einen regen Gedankenaustausch im paradiesischen Luthergarten.

 

 
Auf Wunsch der belarussischen Betreuer besuchten wir noch das Grab von Pastor Wehde auf dem Friedhof gleich nebenan. Er hat viele Jahre in der Luthergemeinde gewirkt und die Tschernobylaktion von Anfang an zusammen mit Pastor Zühlke und engagierten Ehrenamtlichen bis in die heutige Zeit geführt. Im Frühjahr ist er von uns gegangen. Wir haben uns in diesem Sommer bei vielen Gelegenheiten mit wehmütigem Lächeln an ihn erinnert.
Die letzte Woche brach heran, und die Kinder fieberten dem Dombesuch entgegen. Die älteren unter ihnen hatten ja Tolles berichtet über diesen gigantischen Rummelplatz. Entsprechend groß war die Aufregung. Wo sollte man hier nur zuerst hinschauen? "Guck mal da!" "Ja, und dahinten, das hohe Dings da! Ob wir da wohl mal mitfahren dürfen?"
In der Bauernschänke kamen sie erst mal zur Ruhe. Bei Herrn Fabricius gab es ein erfrischendes Getränk und einen duftenden Berliner. Zeit für Instruktionen und das Sichern der HVV-Fahrkarten, die jeder mit wichtigen Kontaktdaten an einem Schlüsselband um den Hals trug. Die S-Bahn Hamburg hat auch in diesem Jahr für die gesamte Erholungszeit kostenlose Fahrkarten zur Verfügung gestellt. Eine große Hilfe, für die wir sehr dankbar sind.
Endlich übernahm Holger Sodemann das Kommando. Als Vertreter der Schausteller führt er schon seit vielen Jahren unsere Kindergruppen über den DOM und organisiert die vielen Einladungen zu herrlichen Karusselfahrten. Schon vom Zusehen wurde einem ganz duselig, da freute sich manch Erwachsener über die bodenständige Aufgabe der Rucksackbeaufsichtigung. Die Kinder aber konnten gar nicht genug kriegen. Selbst als sich noch ein Eis zum Berliner gesellte, behielten sie auch noch in den wildesten Turbulenzen die Kontrolle über ihren Mageninhalt. Erstaunlich! Fast drei Stunden wildes Vergnügen erlebten wir an diesem Nachmittag, bei dem Groß und Klein zu ihrem Recht kamen. Allmählich stellte sich bei den meisten wieder Hunger ein und mit großem Appetit wurden Bratwürste und Pommes verspeist, die in der Bauernschänke schon auf die Kinder warteten. Glücklich und müde fuhren wir zurück ins Schullandheim.

 
U-ku-le-le? Ach ja, erinnerten sich einige Kinder an die fröhlichen Musikanten, mit denen sie vor zwei Jahren vergnügte Stunden verbracht hatten. Aryna war damals so interessiert an diesem Instrument, dass sie eine Ukulele zum Geschenk erhielt. Als nun herauskam, dass Alesia ebenfalls gern Ukulele lernen würde, um in Minsk mit Aryna zu musizieren, bekam auch sie ein eigenes Instrument geschenkt. Wer weiß, was daraus noch entstehen wird. Beim Drum-Circle hatten dann alle Kinder und Musiker viel Spaß auf dem Weg vom anfänglichen Trommelchaos zum rhythmischen Klangbild.
Auch am nächsten Tag erklang Musik im Schullandheim. Mit einem bunten Programm bedankten sich die Kinder für die schöne Zeit in Hamburg und eröffneten damit das Abschiedsfest. Im Schein der Windlichter saßen wir noch lange unter den großen Bäumen beisammen und sprachen über die vergangenen Wochen. Wie schnell war doch die Zeit verflogen. Unsere kleinen Gäste ließen sich indessen begeistert mit Tattoos verzieren. Die waren in diesem Jahr zwar etwas anders, nicht so lange haltbar wie in den vergangenen Jahren, aber mit viel Glitzer. Auch nicht schlecht!
Die Kinder waren jetzt mit ihren Gedanken wieder mehr bei ihren Familien und den Freunden in der Heimat. Eine kleine Tombola sorgte für Zeitvertreib und fröhliche Ablenkung in dieser Abschiedsstimmung. Letzte Spaziergänge durch das schöne Gelände wurden unternommen und spekuliert, ob man wohl noch einmal hierher kommen dürfe.
Und dann war es soweit. Das große Gepäck war schon seit dem Vorabend im Bus verstaut. Mit Lunchpaketen, Zahnpflegekaugummi und einer Geschichte zum Vorlesen bestiegen unsere Gäste den Bus. Langes Winken, verstohlene Tränen, ein tiefer Seufzer und Ärmel hochgekrempelt. Wir hatten jetzt viel zu tun. Bettwäsche, Handtücher, Spiele für drinnen und draußen, technisches Gerät und vieles mehr mussten zur Wäscherei und für zwei Jahre an die Lagerplätze transportiert werden. Das Schullandheim sollte ordentlich übergeben werden.
"Irgendwie anders" lautet der Titel der Geschichte zum Vorlesen während der langen Heimreise. Es handelt von Toleranz, Freundschaft und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Das passte zum diesjährigen Erholungsaufenthalt. Denn sowohl bei unseren Gästen als auch bei uns gab es Veränderungen. Vertraute und erfahrene Weggefährten waren in diesem Jahr nicht mehr dabei, aber neue Mitstreiter haben zu uns gefunden, und so sehen wir der Zukunft unseres Projektes entspannt entgegen.
Wir sind dankbar und glücklich, dass die Kinder nach vier Wochen Erholungszeit in Hamburg mit einem gestärkten Immunsystem und kostbaren Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit wohlbehalten in Minsk und Bragin angekommen sind. Sie werden lange, vielleicht ein Leben lang, von der Erholungszeit in Hamburg profitieren. Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Freunden der Kinder und allen Unterstützern unseres Tschernobyl-Projektes für große und kleine finanzielle Zuwendungen, für gespendete Zeit und Einladungen, für vielfältige tatkräftige Hilfe, für großzügige Sachspenden, für schöne Erlebnisse und das immer wieder gezeigte Interesse.
 
Jutta Röhrs
Arbeitskreis "Für die Kinder von Tschernobyl"
Lutherkirche Bahrenfeld
 

Dieses Projekt wird gefördert durch:

Lions Club Hamburg-Blankenese
Hildegard-Sattelmacher Stiftung
Kroschke Kinderstiftung
Mittel der Stadtteilkultur des Bezirksamtes Altona
Sozialwerk des Bürgervereins Flottbek-Othmarschen